Darum ist Opels Rückrudern in Sachen staatlicher Hilfen doppelt gut
16. Juni 2010 - von Kim - 0 Kommentare - Artikel kommentieren
Vielleicht drücke ich mich heute etwas unpopulär aus, aber ich möchte trotzdem gern meine Gedanken niederschreiben, warum ich den heute öffentlich gewordenen Verzicht auf staatliche Bürgschaften seitens Opel eine gute Sache heiße.
Zunächst einmal ist für mich klar, dass Opel keinerlei Finanzhilfen verdient hat, denn der Autobauer war schon vor der großen Krise mehr als nur ungesund aufgestellt. Zwar hat Opel mit dem Insignia, Astra und Corsa doch inzwischen wieder drei sehr gute Modelle auf dem Markt. Den Rest kann man aber, meiner Meinung nach, getrost vom Markt lassen. Das einstige Erfolgsmodell Safira ist von der Konkurrenz inzwischen überrundet worden, Opel hat gepennt. GM noch mehr.
Also: Opel stand schon lange vorher nicht gut da, die Autos waren lange Zeit einfach unattraktiv. Unattraktiv lässt sich im Sinne eines Autos in diesem Fall beinahe beliebig beschreiben. Ein Unternehmen, das nicht am erfolgreich am Markt ist, soll also einfach etwas schrumpfen oder sogar ganz sterben. Natürlich hängen daran Schicksale und viele, ganz sicher äußerst tragische Fälle. Aber so ist Marktwirtschaft, und so ist das Leben.
Eine Bürgschaft für die GM-Tochter Opel wäre also nicht nur mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Finanzgrab für Steuergelder gewesen. Man hätte mit ebenso hoher Wahrscheinlichkeit auch einem amerikanischen Autohersteller mehr oder weniger direkt unter die Arme gegriffen, der schlichtweg die Zeit verpennt hat. Und wer beim heutigen Wettbewerb Innovationen verpennt, stirbt nun mal. Das ginge einer Software-Firma, in der ein Informatiker wie ich tätig ist, nicht anders. Da kräht dann, wenn es nicht gerade SAP ist, kein Hahn nach.
Nun, warum ist dieses Ereignis also doppelt gut aus meiner Sicht? Einerseits ist dort das Risiko der Steuergelder-Verbrennung, das nun ein wenig gelindert ist. Hierbei ist wohl aber bestimmt noch nicht das letzte Wort gesprochen. Die Landesfürsten werden sicher noch ihren Senf dazu ablassen.
Andererseits finde ich es gut, dass dieses Trara eben nicht nur für Opel (und natürlich für Opels Mitarbeiter) oder GM unbequem ist, sondern auch für unsere schlechteste Regierung aller Zeiten. Die schwarz-gelbe Regierung Merkel muss wieder eine bittere Pille über die Medien schlucken, und ich hoffe, dass da noch eine große Welle der Empörung über Berlin schwappen wird.
Dazu kommt noch ein anderer Nebeneffekt. Der Wähler merkt so langsam, dass er nicht mehr nur Wahlvieh sein sollte. Die SPD hat sich bis heute noch nicht von ihrer katastrophalen Ausrichtung erholt, steckt weiter bei tiefen Umfragewerten. Die FDP müsste bei einer Neuwahl sogar vor der 5%-Hürde Angst haben. Vielleicht hat das eine, wenn auch nur geringe Auswirkung, auf das lobbygetriebene Verhalten unserer, teils ganz schrecklich schlechten Politiker.
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