Papst gegen Kondome:
Worte, die Menschen umbringen
18. März 2009 - von Kim - 0 Kommentare - Artikel kommentieren
Foto von Andreas Stix, Pixelio-User
Wenn ich ein Idiot wäre, könnte ich mich hinstellen und sagen: Kondome sind scheiße! Niemand dürfte mir das verbieten. Freie Meinungsäußerung.
Wenn jedoch der Papst während seiner Afrika-Mission sagt, Kondome würden das AIDS-Problem verschlimmern und stattdessen von Enthaltsamkeit spricht, ist das in meinen Augen genauso schlimm wie ein Massenmord in spe. Religion fällt ja besonders dort auf fruchtbarem Boden, wo das Leid der Menschen am größten ist. Dass dort auch das AIDS-Problem besonders groß ist, macht die Sache besonders schlimm und liegt womöglich auch in der Natur der Sache.
In meinen Augen dramatisieren die Medien das Thema noch lange nicht ausreichend genug. Der Papst gehört heftig kritisiert, und ich wünsche mir auch, dass ein hochrangigier Politiker das entsprechend anspricht. Allerdings - und das verstehe ich nicht - reagiert der Wähler offenbar verärgert auf Kritik am Papst. Auch, wenn die Kritik 100%ig angemessen ist. Warum titelt beispielsweise die Bildzeitung nicht so: Papst-Aussage beflügelt Massensterben in Afrika. Denn das bringt es auf den Punkt. Das ist das Ergebnis, wenn Tausende Gläubige ihrem verbohrten Chefdogmatiker folgen. Jahrelange Aufklärungsarbeit wird durch solche Äußerungen zunichte gemacht. Genauso wie ein gewisser, greiser CSU-Politiker (Beckstein) Alkohol am Steuer in Ordnung fand.
Zwar war es mir eigentlich schon immer egal, dass der Papst Deutscher ist, nur inzwischen muss man sich als Deutscher wohl für den Mann schämen. Und man fragt sich ernsthaft, wie ein (eigentlich) hochintelligenter, äußerst begabter Redner, ein habilitierter Professor und Bestseller-Autor so einen geistigen Unsinn von sich geben kann? Ich finde das unverantwortlich! Ich hoffe sehr, dass die Kirchen dadurch in westlichen Ländern noch mehr Anhänger verlieren. Denn diese Afrika-Missionen sind ja nur mit den Kirchensteuern der westlichen Länder möglich. Gebt das gleiche Geld lieber Hilfsorganisationen.
Im Spiegel-Forum zum entsprechenden Artikel habe ich dazu ein paar interessante Äußerungen gefunden:
Das Leid ist der Mutterboden, auf dem Religion gedeiht. Warum sollte man das ändern?
Oder:
Hier werden theologische Theorie-Diskussionen auf dem Rücken von leidenden Menschen ausgetragen.
(...)
Im Übrigen betrifft die Benutzung von Kondomen oft eben die Liebenden, die sich ja schützen wollen. Was sagen sie denn einer HIV-negativen Frau, deren Mann sich angesteckt hat? Aus Solidarität sich auch anstecken?
Ach ja, und die geplatzten Präser. Deshalb benutzen gläubige Katholiken beim Sprung aus 5000m Höhe auch keinen Fallschirm, weil es schon vorgekommen sein soll, dass einer mal nicht aufgegangen ist.
Quelle: Spiegel-Forum zum Artikel.
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