Kim Schneiders Blog - youngvisions.net

Wer klaut, dem gehört gekündigt!?

22. September 2009 - von Kim - 0 Kommentare - Artikel kommentieren

Die Süddeutsche Zeitung macht in ihrer Onlineausgabe auf ein unbequemes Interview mit dem Juristen und Arbeitsrechtler Professor Volker Rieble aufmerksam.

Wer klaut, gehört gekündigt.

(Quelle: Süddeutsche Zeitung Online)

Ich gehöre ja zu denen, die gerne Prinzipien vertreten. Eigentlich ist das nicht in Ordnung, hört man ziemlich oft von mir. Ich bin der Meinung, dass eine Bagatellgrenze geschaffen werden müsste, die dann bei wiederholtem Male zur Kündigung gereichen sollte. So könnte man dem Three Strikes-Prinzip mal eine sinnvolle Verwendung anbringen.

Die allseits bekannte Pfandbon-Geschichte find ich am ja heftigsten oder das mit dem Müll-Kinderbett. Zwar riechen all diese Fälle (durchklickbar bei Welt.de) doch sehr stark danach, dass man entweder a) gar nicht bei diesen Unternehmen arbeiten will oder wenigstens b), dass der Arbeitnehmer sich irgendwie unbeliebt gemacht hat. Okay, damit lehne ich mich schon weit aus dem Fenster.

Eine Abmahnung ist keine ernstzunehmende Sanktion. Da reißt sich die Frau ein Jahr lang zusammen - und dann macht sie's wieder.

(Volker Rieble, Quelle wie oben)

Eine solch miese Äußerung aus dem Munde eines Juristen finde ich allerdings unglaublich. Das würde ich so definitiv nicht hinstellen. Wenn Menschen aufgrund einer handfesten Abmahnung den gleichen Quatsch wieder machen, dann ist denen meiner Meinung nach tatsächlich nicht mehr zu helfen, vor allem - oder gerade -, wenn es sich um etwas handelt, dass man bei Aldi für ein paar Cent selbst kaufen kann. Wenn jemand was klaut, was - was weiß ich - (beim was weiß ich liegt wohl ein großes Problem...) hundert Euro kostet, würde ich mir auch überlegen, denjenigen rauszuschmeißen.

Andererseits, wenn man einmal aufgrund von z. B. Übelkeit zu einem Brötchen im eigenen Backsortiment greift und kein Geld dabei hat, um es gleich in die Kasse zu legen, finde ich, sollte man nicht gleich vor die Tür gesetzt werden können - Prinzipien hin oder her. Darüber hinaus hat dieses Kündigungsmodell ein ganz schlimmes Missbrauchspotential.

Was mich weiterhin bei der Diskussion stört, ist, dass die Verhältnismäßigkeiten nicht stimmen. Und außerdem ist es doch ein viel größerer Klau, wenn z. B. jemand beim Rauchen nicht ausstempelt. Die Zigarettenlänge kostet den Arbeitgeber doch dann erheblich mehr Geld als so ein läppisches Brötchen. Oder wenn jemand privat auf der Arbeit surft.

Und, weiter beim Thema Verhältnismäßigkeiten: Warum rollen dann keine Köpfe bei all diesen ekelhaften Bankern, die uns in die Krise gestürzt haben? Wieso werden die nicht fristlos gekündigt ohne Bonusanspruch? Klar, die sind in der Regel nicht so leicht zu ersetzen. Aber so oft wie es in letzter Zeit den kleinen Mann in den Medien getroffen hat, täte es dem Volk ein wenig gefühlte Gerechtigkeit doch ganz gut.

Letztlich soll sich jeder, auch Herr Rieble, mal fragen, ob jeder so unschuldig ist, wie er tut. Noch nie einen Kugelschreiber mitgehen lassen?

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