Kim Schneiders Blog - youngvisions.net

Die Volksritter

20. November 2008 - von Kim - 0 Kommentare - Artikel kommentieren

Richtig guter Spiegel-Artikel versus Politik-Verdrossenheit.

Gestern wurde mir sogar Roland Koch sympathisch, als er eine höchst-peinliche Steilvorlage des Ypsilanti-Erben Thorsten Schäfer-Gümbel nutzte, um den stümperhaft auftretenden Konkurrenten verbal ins Abseits zu rammen. Kochs Offensive gelang in meinen Augen, ist auch kein Wunder, wenn Schäfer-Gümbel keine besseren Wahlargumente hat, als er dass er der Hübschere der beiden Politiker ist. So einen peinlichen Start einer politischen Ansprache habe ich selten erlebt. Aber das passt zur SPD, die mit so peinlichen Parolen tatsächlich gut zur Linken passt. Jedenfalls in Hessen.

Doch zurück zum lesenswerten Spiegel-Artikel Volksritter.

Ich muss zugeben, ich kratzte mir leicht ertappt das schüttere Haupthaar, als ich die letzten Zeilen des Journalisten las. Zwar würde ich mich jetzt nicht als Intellektuellen bezeichnen und trotz akademischen Abschlusses nutze ich das Wort Akademiker nur bei der KFZ-Versicherung, weil es bei meiner Versicherung Rabatt für Diplome gibt und als Mittel zum Zweck eines aufstrebenden Einzelunternehmers. Akademiker klingt für mich immer eher wie Wissenschaftler oder mindestens nach Uni-Diplom. Hab ich nicht, bin ich nicht, will ich auch gar nicht. Ich bin ein Handwerker unter den Informatikern.

Genug der Selbstdarstellung, ich möchte zitieren:

Ironie der Geschichte: Neben den Bankern gibt es noch eine andere gesellschaftliche Gruppe, von der kaum etwas zu hören ist: die Intellektuellen.

40 Jahre nach der Revolte von 1968 fällt ihnen, die einst zu allem und jedem eine flammende Resolution verfassten, so gut wie nichts ein. Schon gar nichts Neues.

Man will es kaum aussprechen, aber vielleicht ist ihr Schweigen sogar ein gutes Zeichen: die Krise als Denkpause.

(Quelle: Spiegel Online, siehe Link oben)

Dass die obere Mittelschicht dieses Landes ruhig bleibt und ganz sicher revolutionsträge ist, kann man wohl klar so feststellen. Doch wer hat bei all den Überstunden, Staus und ICE-Verspätungen noch die Zeit, um auf der Strasse zu protestieren? Wir kaufen halt nur einen Mercedes weniger und genügen uns mit einem VW Golf. Kaufen keine Aktien mehr und packen das Geld lieber auf Tagesgeldkonten.

Ich würde diese Stille also nicht als Denkpause beschreiben. Bodenständigkeit passt vielleicht besser. Oder Konzentration auf das Wesentliche. Bei manchem kommt vielleicht auch der Jetzt erst recht-Gedanke auf. Eine neue GmbH ins Rennen führen ist so eine Antwort auf den global unverantwortlichen Manager-Wahnsinn. Und außerdem ist es sowieso schöner, unauffällig gesund-erfolgreiche Firmen zu führen oder für sie zu arbeiten. Das ist nichts Neues, das ist etwas Bewährtes! Und am vielgelobten deutschen Mittelstand gibt es nach wie vor nicht viel zu meckern.

Vielleicht bin ich einer von nicht all zu vielen, aber ich freue mich auf 2009, denn ich erwarte interessante Entwicklungen. Nicht nur im unternehmerischen Umfeld, sondern auch bei Entwicklungen im wahrsten Sinne des Wortes. Neue Software-Produkte!

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